Wir stehen vor dem gelben Haus, in dem diese „irgendwie besondere
WG“ wohnt. Hier werden wir heute etwas über die Lebensumstände und
die Situation der Jugendlichen erfahren.

Wir stehen vor dem gelben Haus, in dem diese „irgendwie besondere
WG“ wohnt. Hier werden wir heute etwas über die Lebensumstände und
die Situation der Jugendlichen erfahren. Die Vier leben in einer
„betreuten Wohngruppe“ der ev. Jugendhilfe Friedenshort, einer Einrichtung,
die der Unterstützung von Jugendlichen dient, die nicht mehr zu
Hause leben wollen oder können. Vanessa erzählt: „Es gab Probleme
mit meinen Eltern, so dass das Jugendamt es für besser hielt, mich
von zu Hause wegzuholen, als ich sechs Jahre alt war. Mit 15 bin
ich dann in die AWG4 - das betreute Wohnen - gekommen.“ Es gibt
aber auch Fälle, in denen die Kinder entscheiden, dass sie von zu
Hause weg wollen, aber einfach noch zu jung sind, um alleine zu
wohnen, und deshalb in eine Wohngruppe mit Betreuung ziehen müssen.
Ziel der Wohngruppe ist, dass die Jugendlichen lernen, selbstständig
ihren Tagesablauf und ihr Leben zu gestalten. Zu ihrer Unterstützung
sind allerdings jeden Tag von 12.00 bis 22.00 Uhr Betreuer im Haus,
die als Ansprechpartner und Freund dienen, aber auch die Aufsichtspflicht
übernehmen müssen. Nachts jedoch sind die Jugendlichen auf sich
gestellt und müssen für sich selbst die Verantwortung tragen.
Jeden Tag findet um 18.00 Uhr ein gemein sames Abendessen statt,
von dem man sich einmal in der Woche abmelden kann. „Wir haben einen
Kochplan, mit dem festgelegt wird, wer an welchem Wochentag was
kocht“, sagt Jenny. Zum Kochdienst gehört auch einkaufen, Tisch
decken und abräumen, Boden fegen sowie die Spülmaschine aus- und
einräumen. Natürlich gibt es auch hier, wie in jeder Familie, bestimmte
Regeln, an die sich jeder halten muss: „Im Haus sind weder Zigaretten
noch Alkohol gestattet, im Garten jedoch dürfen wir Rauchen.“ Wer
allerdings trotzdem mit einer Zigarette im Haus erwischt wird, erhält
eine Verwarnung und muss ein Gespräch mit einem Betreuer führen.
Falls so ein Regelverstoß öfter vorkommt, wird der Verbleib in der
Gruppe in Frage gestellt. Bernd fügt hinzu: „Gewisse Regeln müssen
eingehalten werden und sind wichtig für das Zusammenleben. So müssen
wir auch nachts sicher sein können, dass hier alles wie abgesprochen
abläuft, und das basiert natürlich auf gegenseitigem Vertrauen und
Respekt.“ Nach vorheriger Absprache besteht auch die Möglichkeit
Übernachtungsgäste mitzubringen. Jenny wirft ein: „Mein Freund Marco
darf zur Zeit aber noch nicht bei mir übernachten, erst wenn ich
18 bin.“ Eine andere Regel ist, dass jeder beim wöchentlichen Plenum
erscheinen muss. Hier werden Probleme und die Entwicklung der Gruppe
besprochen. Es finden auch regelmäßig Einzelgespräche wie das Hilfeplangespräch
des Jugendamtes statt, bei denen Ziele und Interessen beider Seiten
besprochen werden und auch Themen wie Kontakt zu den Eltern auf
den Tisch kommen. Raffaela erzählt: „Ich habe zu fast allen Familienmitgliedern
guten Kontakt, was mir auch sehr wichtig ist. Den andern Dreien
geht es genauso.“ Und wie sieht die finanzielle Situation der Jugendlichen
aus? Douglas erklärt: „Jeder Bewohner bekommt im Monat Taschengeld
(80 - 123 DM je nach Alter), Bekleidungsgeld (Mädchen 80 DM, Jungs
70 DM) und Hygienegeld (10 DM). Von Taschengeld und Nebenverdienst
muss ein Teil für später gespart werden. Ab einem gewissen Alter
müssen die Jugendlichen dann ausziehen, werden aber auch in ihrer
eigenen Wohnung weiterhin in finanziellen Dingen und bei allgemeinen
Problemen beraten. Auch bei Vanessa ist es jetzt soweit, die ist
allerdings ganz und gar nicht begeistert davon: „Mir gefällt´s hier
Bombe! Ich will überhaupt nicht ausziehen!“ Sowohl untereinander
als auch zu den Betreuern besteht ein freundschaftliches Verhältnis,
und alle Vier betonen, wie wichtig ihnen die Gruppe geworden ist.
Wir waren begeistert von der Art und Weise, wie die vier Jugendlichen
ihr Leben meistern und wünschen ihnen auch in ihrer Zukunft ganz
viel Glück!!!
Ein starkes Team:
Eine WG - 4 Jugendliche, 3 Erwachsene und ungefähr 25 Fische.

Gerhard Arnold: *Ist seit 2 ½ Jahren Betreuer in der Wohngruppe.
*Er hat eine Ausbildung als Heilpädagoge, Heimerzieher und Mechaniker
Maschinenbau

Cordula Bächle: *War Gruppenleiterin, ist mittlerweile im Fachdienst
als Gruppenleiterin tätig und deshalb nur einmal in der Woche da
*Ist Diplom Sozialpädagogin
Bernd Megerle: *Ist seit 3 Jahren dabei *Ist seit kurzem Gruppenleiter
*Jugend- und Heimerzieher

Douglas (18): *Hobbys: Baseball und laute Musik *Lernt Schlosser
im 2. Lehrjahr *Ist seit 1 ½ Jahren in der Gruppe
Jenny (16): *Hobbys: Freund Marco (Bild) und ihre Fische *Geht
noch 2 Jahre auf die kaufmännische Schule *Wohnt hier seit drei
Monaten *Möchte später Spielzeugdesignerin werden *Lernt drei Fremdsprachen
Vanessa (18): *Hobbys: Musik (spielt Keyboard und bringt sich gerade
selbst Gitarre bei) *Lernt Grafikdesign *Ist am längsten von allen
dabei (3 Jahre)

Raffaela (16): *Macht gerade ein Praktikum im Altenheim *möchte
danach Altenpflegerin lernen *Geht gerne mit ihren Freunden weg·
*Ist seit 3 Monaten da
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